Lina Maly: Gegen die Filterung der Wirklichkeit – „Gesicht“

Ein Gesicht, wie es wirklich ist. Ohne Filter. Das wünscht Lina Maly sich und schenkt uns mit „Gesicht“, dem zweiten Song ihres kommenden Albums „Könnten Augen alles sehen“, ein mutiges Stück Popmusik, mit dem sie erneut nicht nur ihr außergewöhnliches Talent, sondern auch ihre Haltung unterstreicht.

„Manchmal seh’ ich nur Gesicht und makellose Hände, gefaltet im Genick/ suche den Menschen, doch den findet man nicht“, singt Lina Maly und es ist der Beginn einer Anklageschrift, ein Abgesang auf das scheinbar Perfekte. „Sind wir denn nie schön genug?“ fragte Lina noch auf ihrem Debütalbum. Für einen kurzen Moment weicht diese erfrischend melancholische Naivität, die auch „Gesicht“ an vielen Stellen ausmacht dem Zorn. „Wie du dich darstellst, nur dich für wahr hältst, widerst du mich an“.

Es tut gut zu hören, wie gerade eine junge Künstlerin, die in diesen Zeiten besonders stark mit digitalem Schönheitswahn und erbarmungslosem Perfektionismus konfrontiert werden dürfte, so deutliche Worte findet. Auch mit diesem Stück setzt sie Ton und Thema ihres Debüts sinnvoll und spannend fort, mit ihr wächst auch ihre Haltung und zeichnet sich immer deutlicher ab.

Lina Maly sucht die Schönheit im Echten, im Unmittelbaren. Im Filterlosen und im Ungeschminkten. Und wir finden all das in ihren Worten. Und in ihrer Stimme. Seht hier das äußerst reduzierte und somit sehr intime Video zu „Gesicht“