Music-News: Madsen – Satellite Stories – Tonbandgerät

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Nachdem Madsen mit dem Vorabtrack ‚Rückenwind‘ bereits eine gitarrenlastige erste Duftnote vom am 15.06. erscheinenden Album in die Welt entließen, erscheint nun die neue Single ‚Mein Erstes Lied‘. Eine wunderbar melancholisch-romantische Gitarrenpop-Nummer, bei der die Band die Amps ein wenig runterdreht und der Melodie einen Teppich aus cleanen Gitarren und einer treibenden Hi-Hat ausbreitet. Dabei ist der Text eine Hommage an das erste Verliebtsein und die damit verknüpften Erinnerungen. Ein absoluter Ohrwurm, der Madsens großen Popnummern wie „Lass Die Musik An“ oder „Kompass“ in nichts nach steht.

Sebastian Madsen sagt über den Song: „Im Sommer 1998 hatte ich meine erste, richtige Freundin. Es fühlte sich wie Fliegen an, so als ob uns die ganze Welt gehörte. Ich denke an die ersten Partys, Baggerseen, stundenlanges Knutschen, schlechte Haut, Tocotronic und an den wärmster Sommer aller Zeiten. Irgendwann ging sie nach Berlin und ich blieb im kleinen, beschaulichen Wendland. Wir gingen beide unsere eigenen Wege, die sich heute nur sehr selten kreuzen. Mittlerweile lebe ich selber in Berlin und wenn ich mal wieder im Wendland bin, treffe ich ihre Mutter oft beim einkaufen. Manchmal versucht sie mich nach ihrer Tochter auszufragen, so als ob in den letzten zwanzig Jahren nichts passiert wäre. Das ist seltsam und schön zugleich. Die meisten Menschen vergessen ihre erste Liebe niemals und ganz ohne Nostalgie wollte ich die Unbeschwertheit von zwei Teenagern, sowie den Schmerz der ersten Trennung in einem Lied festhalten. Einfach nur weil es ein fester Bestandteil meines Lebens ist.“

satelite stories

Über den Song sagt Frontmann Esa Mankinen:
„“Coupons“ ist eine Geschichte über Hingabe und wie alles in Sekundenschnelle vorbei sein kann. Wie Coupons, die auf dem Boden liegen, geht der Wert manchmal verloren.
Aber was es immer wert ist, ist die Zeit, die man verbracht hat, um dorthin zu kommen, wo man ist, auch wenn man manchmal von vorne anfangen musste. Man hat den Weg hinter sich gebracht und das ist es, was einen am Boden hält.
Es ist, als ob jeder Song, den wir machen, eine ähnliche Geschichte hat, in der wir verschiedene Dinge ausprobieren, bis er schließlich, im letzten Moment, einen Sinn ergibt und wir uns erstaunt ansehen, nach dem Motto „Das haben wir wirklich gemacht?“ In gewisser Weise sind es Kurzgeschichten über unsere Karriere und Erfahrungen.“ 

„Cut Out The Lights“ ist ein Album, bei dem die Band sich bewusst dazu entschieden hat, alle Zügel selbst in die Hand zu nehmen; selbst zu produzieren, die volle kreative Kontrolle zu behalten und sicherzustellen, dass die Ideen so ankommen, wie sie es sich wünschen.

„Jetzt liegt es wieder an uns – eine Position, die wir lieben. Die Herausforderung war und ist immens, wir haben alles in diese Platte gesteckt, ein ganzes Jahr daran gearbeitet“, sagt Lead-Gitarrist Marko HeikkinenEsa Mankinen fügt hinzu: „Auf diesem Album sind wir zurück zu den Basics gegangen, so wie wir von Anfang an Musik gemacht haben. Zur Inspiration haben wir vier uns irgendwo in der nordischen Landschaft eingesperrt, haben den Fokus auf die Melodien gelegt und uns gefragt, welche Produktion das Beste aus den Songs rausholt“.

„Cut Out The Lights“ erscheint am 4. September und bevor die Lichter dann tatsächlich ausgehen, lässt es sich die Band natürlich nicht nehmen, vorher noch mal auf Welttournee zu gehen. Neben Dates in US und UK führt die Europa-Tour natürlich auch zu den deutschen Fans:

04.10. Hamburg – Nochtspeicher
05.10. Berlin – Privatclub
06.10. Stuttgart – Club Cann
08.10. München – Kranhalle
09.10. A-Wien – Chelsea
10.10. CH-Zürich – Mascotte
16.10. Köln – Yuca

tonbandgerät

Auf ihrem dritten Album erzählt die Hamburger Band Tonbandgerät von Übergängen, von Ungewissheit und Übermut. Und das mit zwölf höchst eingängigen Popsongs, die federleicht euphorisieren und tiefgründig nachschwingen. Bereits der Titel zeugt von der klugen Poesie dieses super sympathischen Vierers: „Zwischen all dem Lärm“.

„Lärm muss ja nichts Negatives sein“, sagt Sophia Poppensieker, Gitarristin und Songschreiberin bei Tonbandgerät. „Zwischen all dem Lärm“, das habe für sie etwas Schwebendes. Im Transit. Von der Freibadwiese der Kindheit über Korn und Brause als Teenager bis zu der erwachsenen Erkenntnis: „Tschüs Karriereleiter / ich nehm die Graustufen“.
Für ihr neues Album schrieb die Band 60, 70 Songs, deren Texte erstmals nicht nur aus Sophias Feder stammen, sondern auch gemeinsam mit Sänger Ole Specht, Schlagzeuger Jakob Sudau und Bassistin Isa Poppensieker entstanden, eingenistet in St. Peter Ording etwa. Sich hinterfragen, verwerfen, neu und weiter machen, sich frei schreiben, mehr Kante wagen – dieser künstlerische Prozess durchdringt die neuen Stücke und lässt sie vielschichtig schillern.

„Die Songs, auf die wir am Ende alle am meisten Bock hatten, sind am besten geworden“, sagt Sophia. Ein neues Selbstbewusstsein, festgehalten von Produzent Tim Tautorat (AnnenMayKantereit, Faber, The Kooks) in den legendären Hansa Studios in Berlin. An diesem Ort, der die Aura von David Bowie und Depeche Mode in sich trägt, entwickelte Tonbandgerät einen eigenen Bandsound, der impulsiv und lässig ist, zugleich aber Weite atmet. Pop mit 80er und 90er-Jahre-Twist, Indie-Huldigungen inklusive. „Die Hansa Studios stecken voller Geschichte, haben gleichzeitig aber eine zeitlose Atmosphäre“, sagt Sophia. Ideal für eine Reise durch die Jahrzehnte, wo pophistorisches Gerät wie das Yamaha-Keyboard DX7 nur einen Griff entfernt ist. Um an die Vergangenheit anzuknüpfen, kombinierte Tim Tautorat gemeinsam mit der Band unter anderem klangliche Elemente der 90er mit aktuellen Einflüssen. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Band auf diesem Album umfassend mit den Themen Älterwerden, Jugend und Heimat befasst. Im Zuge dessen hat sich mein Konzept dieser Platte davon inspirieren lassen“, sagt der Produzent. So entstanden schließlich Songs, in denen sich Text und Ton wechselseitig perfekt verstärken.

Und direkt das erste Stück auf „Zwischen all dem Lärm“ kommt mit einer akustischen Ansage um die Ecke: In „Reisegruppe Angst und Bange“ wird Oles warmer, nahbarer Gesang kontrastiert mit der Wutstimme von Turbostaat-Sänger Jan Windmeier. Die Band ist Fan der Flensburger Punkrocker und hoch beglückt über die Kooperation. Das Ergebnis ist eine zart-brachiale Nummer mit Bombastgitarren, die im Kopf sofort auf Heavy Rotation geht. In „Beckenrand“ wiederum flirren die 80er im Heute. Bass und Bläser pulsen und pochen. Sind das etwa Baywatch- Rettungsschwimmer da am Horizont? Kann sein. Die Discokugel jedenfalls glitzert wie nasse Schwimmbadkacheln in der Sonne. Eine einzige Aufforderung, mutig ins Wasser zu springen.

Song für Song erlebt der Hörer, wie jede Veränderung ihr eigenes Tempo hat: Ein Aufbruch braucht Anlauf, eine Liebe schleicht sich heraus. Und dann sind da noch jene, die einfach in einem anderem Takt leben. „Tourist“ handelt von einer Frau, die das Flüchtige feiert. Den süßen Vogel Freiheit besingt Tonbandgerät mit Leichtigkeit. Mit Pop, der mitreißt wie die besten Freunde, die einen beim Lieblingslied auf die Tanzfläche ziehen. Natürlich ließe sich zeitgeistig behaupten, das sei nun der Love-Song für die Generation Instagram-Story – kaum erlebt, schon wieder verschwunden. Doch letztlich ist das Thema so immerjung wie Holly Golightly im Filmklassiker „Breakfast at Tiffany’s“ – ein charmantes Wesen mit rastlosem Herzen. Wie sich die neuen Songs ohnehin durch eine beeindruckende Alterslosigkeit auszeichnen. Wenn Ole in „Für die die bleiben“ von Trauer singt, wenn das Piano nachhallt wie eine Erinnerung, wie soll man das dann nennen: Altersweisheit? Nichtmehrganzjungklugheit? Sagen wir doch einfach: Lebenskenntnis.

Dieses Leben will allerdings nicht immer ganz passen: Wenn alle ausrasten, aber die innere Konfettikanone nicht zünden will – von diesem Gefühl erzählt „Der Letzte der Nacht“. Eine Ballade, die sich so real anfühlt wie der Dreck am Morgen nach der Party. Und vor dem geistigen Auge tauchen sie bereits auf, all die Festivalbesucher und Clubgänger, die mit Staub im Haar und Träne im Knopfloch diese Hymne im Chor singen: „Und die Laternen gehen aus / ich geh‘ auf Scherben nach Haus.“ Schön wird das sein.